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Oliver Schoch

Oliver Schoch ist Bankkaufmann und Finanz-Journalist. Im Rahmen seiner Spezialisierung schreibt er mittlerweile seit 14 Jahren Artikel zu unterschiedlichen Finanz-Themen wie Börse, Versicherungen, Finanzierungen oder Geldanlage. Dabei gibt Oliver Schoch Lesenden gerne Ratschläge für den Finanz-Alltag und zeigt, wie interessant und alltäglich das Thema Finanzen in der Praxis ist.

Das Wichtigste zum Unterversicherungsverzicht in Kürze

  • Eine Unterversicherung entsteht, wenn die Versicherungssumme geringer ist als der tatsächliche Wert des Hausrats – mit der Folge, dass Schäden nur anteilig ersetzt werden.
  • Die Kürzung greift bereits ab dem ersten Euro Schaden, nicht erst wenn die Schadenssumme die Versicherungssumme übersteigt.
  • Mit einem Unterversicherungsverzicht ersetzt die Versicherung Schäden vollständig – vorausgesetzt, die Mindestversicherungssumme von 600 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche wird eingehalten.

Eine Hausratversicherung schützt nur so gut, wie die Versicherungssumme realistisch gewählt ist. Wer diese zu niedrig ansetzt, riskiert eine Unterversicherung und damit eine anteilige Kürzung des Schadens. Die Kürzung greift dabei bereits ab dem ersten Euro Schaden, nicht erst wenn die Schadenssumme die Versicherungssumme übersteigt. In diesem Artikel erläutern wir, was eine Unterversicherung ist, wie es dazu kommen kann und welche Möglichkeiten Ihnen ein Unterversicherungsverzicht bietet.

Was ist eine Unterversicherung?

Von einer Unterversicherung spricht man, wenn die Versicherungssumme geringer ist als der tatsächliche Wert des Hausrats. Das passiert häufiger als viele denken, denn der Gesamtwert eines Haushalts setzt sich aus Hunderten von Einzelgegenständen zusammen, deren Wert sich über die Jahre verändert. Wissen Sie noch, was der Schrank im Schlafzimmer vor acht Jahren gekostet hat? Genau dadurch kann es zu Schwierigkeiten im Schadensfall kommen. Ein Beispiel für die Unterversicherung:

  • Versicherungssumme: 45.000 Euro
  • Wert des Hausrates: 65.000 Euro
  • Unterversicherung: 20.000 Euro bzw. 30 Prozent

In diesem Fall haben Sie den Gesamtwert des Hausrates um 20.000 Euro zu niedrig eingeschätzt. Daraus ergibt sich eine Unterversicherung von 30 Prozent.

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Wie entdeckt die Versicherung eine Unterversicherung? Im Schadensfall kann die Versicherung einen Sachverständigen beauftragen, der den Gesamtwert Ihres Hausrats schätzt. Können Sie eine zu niedrige Versicherungssumme nicht durch Rechnungen oder andere Nachweise widerlegen, wird eine Unterversicherung schnell festgestellt.

Welche Folgen hat eine Unterversicherung?

Unterversicherung des Hausrates - so schützen Sie sich vor einer Eigenbeteiligung

Das Problem an einer Unterversicherung ist, dass diese in der Praxis dazu führt, dass ein entstandener Versicherungsschaden nur anteilig übernommen wird. Hier gibt es seitens vieler Verbraucher einen Irrtum, der fatale Folgen haben kann. Manche Versicherungsnehmer sind nämlich der Auffassung, dass eine Unterversicherung lediglich dann relevant ist, wenn die Schadenssumme die Versicherungssumme übersteigt. Was ist damit gemeint?

Angenommen, Sie haben eine Versicherungssumme Höhe von 50.000 Euro gewählt. Der Hausrat hat jedoch einen Wert von 70.000 Euro. Sollte dann ein Schaden von beispielsweise 30.000 Euro eintreten, sind viele Versicherungsnehmer der Auffassung, dass dann keine Unterversicherung existiert, weil der Schaden geringer als die Versicherungssumme ist. Dem ist allerdings nicht zu, denn die Unterversicherung greift bereits ab dem ersten Euro an Schadenssumme. Lassen Sie uns also für dieses Beispiel einmal ermitteln, wie hoch die Unterversicherung ist und was dies im konkreten Schadensfall für den Versicherungsnehmer bedeuten würde:

  • Versicherungssumme 50.000 €
  • Wert des Hausrates: 70.000 €
  • Unterversicherung: 20.000 €  bzw. knapp 30 Prozent
  • Schaden: 30.000 €
  • Abzug wegen Unterversicherung: 9.000 Euro
  • Schadensregulierung: 21.000 Euro

Beim Schadensfall existiert also eine Unterversicherung in Höhe von ca. 30 Prozent. Dieser Prozentsatz wird dann vom Schadenswert subtrahiert, sodass die Versicherungsgesellschaft in diesem Beispiel nur die Differenz in Höhe von 21.000 Euro reguliert. Obwohl die Schadenssumme deutlich geringer als die Versicherungssumme ist, erstattet die Hausratversicherung in dem Beispielfall nur 21.000 Euro statt den vollen Schadensbetrag in Höhe von 30.000 Euro – ausschließlich aufgrund der vorliegenden Unterversicherung. Die fehlenden 9.000 Euro müssen Sie als Eigenbeteiligung selbst tragen, obwohl Sie eine Hausratversicherung abgeschlossen haben.

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Tipp: Versicherungssumme regelmäßig überprüfen Der Wert eines Hausrats verändert sich mit der Zeit. Sei es durch Neuanschaffungen, Erbschaften oder steigende Preise. Empfehlenswert ist es, den Gesamtwert alle drei Jahre zu überprüfen und die Versicherungssumme bei Bedarf anzupassen. Heben Sie Rechnungen für teurere Gegenstände auf, denn das hilft sowohl bei der Schätzung als auch im Schadensfall.

Unterversicherungsverzicht als Lösung: Was ist das?

Ein Unterversicherungsverzicht sorgt dafür, dass Ihre Hausratversicherung Schäden vollständig ersetzt, selbst wenn Ihre Versicherungssumme zu niedrig angesetzt ist. Die Versicherung verzichtet in diesem Fall darauf zu prüfen, ob eine Unterversicherung vorliegt. Allerdings gibt es eine Bedingung, die seitens der Versicherungsgesellschaft an einen Unterversicherungsverzicht geknüpft ist, nämlich dass Sie eine bestimmte Mindestversicherungssumme wählen.

Für gewöhnlich fordern die Versicherungsgesellschaften, dass die Versicherungssumme sich auf mindestens 600 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche beläuft. Unter dieser Voraussetzung wird dann auch kein Sachverständiger bestellt, der den Gesamtwert des Hausrates schätzt und dementsprechend eine Unterversicherung feststellen könnte.

Wie eine solche Berechnung aussehen kann, zeigt das folgende Beispiel:

  • Wohnfläche: 90 m²
  • Versicherungssumme pro Quadratmeter: 600 €
  • Versicherungssumme Hausrat: 54.000 €

Entsteht dann beispielsweise ein Schaden in Höhe von 30.000 Euro und beträgt der Gesamtwert des Hausrates 70.000 Euro, würde die Versicherungsgesellschaft durch den Unterversicherungsverzicht dennoch die volle Schadenssumme begleichen.

Ob der Unterversicherungsverzicht allerdings auch dann greift, wenn Sie die Versicherungssumme wissentlich zu gering ansetzen, ist meistens eine Einzelfallentscheidung. Um beim Beispiel zu bleiben: Haben Sie zum Beispiel relativ teure Gegenstände in Ihrer Wohnung, sodass der Gesamtwert des Hausrates sich zum Beispiel auf 100.000 Euro beläuft? Haben Sie allerdings trotzdem nur die Mindestversicherungssumme von 600 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gewählt, kann dies durchaus seitens des Versicherers Konsequenzen haben.

Zwar hat er in dem Fall auf die Einrede der Unterversicherung verzichtet, aber dennoch ist die Differenz zwischen dem tatsächlichen Wert des Hausrates und der Versicherungssumme so groß, dass eventuell die Schadensregulierung in vollem Umfang verweigert wird. Deshalb sollten Sie trotz des möglichen Unterversicherungsverzichts darauf achten, dass die Versicherungssumme gemessen am Gesamtwertes des Hausrates realistisch bleibt.

Fazit zur Unterversicherung in der Hausratversicherung

Die Unterversicherung ist im Rahmen der Hausratversicherung ein häufig unterschätztes Risiko. Viele Versicherungsnehmer sind der fälschlichen Meinung, dass die Unterversicherung nur dann relevant wäre, wenn die Schadenssumme höher als die Versicherungssumme ist. Da dies nicht der Fall ist, sollten Sie darauf achten, dass Ihre Versicherungssumme immer mindestens genauso hoch wie der Gesamtwert des Hausrates ist. Ist das Abschätzen schwer, können Sie durch einen Unterversicherungsverzicht erreichen, dass im Schadensfall der Versicherungsgeber keine Einrede der Unterversicherung geltend macht. Dann müssen Sie den Hausrat im Regelfall mit mindestens 600 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche versichern.